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Theorien der Landschaftsarchitektur

 

Die Planungsdisziplin Landschaftsarchitektur fußt auf Grundlagen, die sich aus dem wissenschaftlich-theoretischen Fundament des Faches ableiten. Das Fachgebiet Landschaftsarchitektur entwickelt derzeit das Fachgebiet „Theorien der Landschaftsarchitektur“, um mit Studierenden der Architektur das wissenschaftliche Arbeiten und das landschaftsarchitektonische Reflektieren zu trainieren. Das Institut bietet dem Fachgebiet zudem die Möglichkeit, aktiv die Theoriebildung im Spannungsfeld von Architektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur voranzutreiben und sich mit eigenen wissenschaftlichen und publizistischen Arbeiten auf den internationalen akademischen Plattformen zu positionieren.

 

In den vergangenen dreißig Jahren hat sich die Landschaftsarchitektur in Europa zu einer eigenständigen Disziplin entwickelt, die nicht nur der Architektur einen sinnvollen Kontext bietet, sondern gerade in der Stadt- und Regionalplanung an Bedeutung gewinnt. So wie sich mit dem Wettbewerb von La Villette 1982 der Stadtpark als Baustein der Stadt etabliert hat, und in den Planungen für die Olympischen Spiele in Barcelona 1992 der öffentliche Freiraum als gleichberechtigtes städtebauliches Instrumentarium neben Infrastrukturnetzen und architektonischen Objekten anerkannt wurde, so setzt sich derzeit die Erkenntnis durch, dass die von der Landschaft inspirierte Stadtplanung eine zukunftsträchtige Methode zur Entwicklung heutiger Stadtlandschaften ist. Thomas Sieverts, erfahrener deutscher Stadtplaner und Autor des viel beachteten Buches „Die Zwischenstadt“, prognostiziert der Stadtplanung eine Bereicherung aus dem Geist und den Gestaltungsmitteln der Landschaftsarchitektur, weil die typischen Formen und Räume der heutigen Metropolen, die er als Zwischenstädte definiert, viel besser mit den topologisch definierten Merkmalen von Landschaft zu erfassen sind als mit der euklidischen Geometrie der klassischen Stadt. Entfernung und Nähe, Enge und Weite, Rand und Netz, Zeit und Raum sind Parameter der Analyse wie der Gestaltung von heutigen Landschafts- und Stadträumen.

 

Positionen wie die von Professor Henri Bava und seines Büros Agence Ter bestimmen die theoretische Grundhaltung des Fachgebiets Landschaftsarchitektur. Als eines der wenigen europäischen Büros zeichnet sich Agence Ter durch einen territorialen Entwurfsansatz aus und konzipiert international Stadt-Landschaften im territorialen Maßstab. Drei Postulate bestimmen die Arbeit des Büros: das Verständnis der Landschaft als Gebilde aus vielfältigen Horizonten, das Einpassen von Projekten in die Bewegungen des Territoriums, und der Wille, Landschaften als offene Systeme („open source systems“) zu entwickeln (siehe auch die Publikation von Lisa Diedrich (Hrsg.): Territories. Die Stadt aus der Landschaft entwickeln. Agence Ter/ Henri Bava, Michel Hoessler, Olivier Philippe, Birkhäuser Verlag, Basel 2009).

 

Derzeit baut das Fachgebiet Landschaftsarchitektur eine Sammlung theoretischer Materialien und Arbeiten auf, die den Sockel für eine diskursive Beschäftigung mit dem Fach bildet und die landschaftsarchitektonische Entwurfslehre ergänzt.